Baumwolle: Was wir wirklich prüfen, bevor gedruckt wird
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Nicht die Faser ist das Problem
Die meisten wissen: Baumwolle ist weich, atmungsaktiv, natürlich. Das stimmt. Worauf wir achten, ist Gewicht, Webart und Ausrüstung. Denn dort liegt der Unterschied zwischen einem T-Shirt, das zwei Jahre hält, und einem, das nach der ersten Wäsche entsorgt wird.
Die Abmachung, in einem Satz
Bevor wir drucken, legen wir den Stoff fest: Grammatur, Baumwollanteil, Webart, Vorbehandlung gegen Einlaufen. Alles danach, Druck, Passform, Haltbarkeit, folgt aus dieser einen Entscheidung.
Gewicht und Webart
Eine Baumwolltasche mit 180 g/m² und eine mit 140 g/m² sehen auf dem Produktfoto gleich aus. Nach drei Monaten mit Lunchpaket und Unterlagen nicht mehr. Wir legen das Gewicht pro Produkttyp fest, nicht pro Katalogseite: Taschen und Arbeitskleidung bekommen mehr Gewicht, Give-aways weniger, weil niemand erwartet, dass eine kostenlose Tasche zehn Jahre hält. Die meisten Beschwerden über "billige Baumwolle" sind eigentlich Beschwerden über das Gewicht. Die Faser war in Ordnung. Die Grammatur passte nicht zum Zweck.
Was Druck mit Baumwolle macht
Siebdruck liegt auf dem Gewebe. Stickerei geht hindurch. Auf einem schweren Baumwoll-Hoodie hält Stickerei jahrelang, auf einem dünnen T-Shirt kann die Naht den Kragen verziehen. Wir empfehlen Stickerei nicht unter einem bestimmten Gewicht, auch wenn ein Kunde danach fragt. Lieber erklären wir das einmal, als später zweihundert T-Shirts zu ersetzen.
Bio und recycelt sind nicht dieselbe Aussage
Bio-Baumwolle reduziert den Pestizideinsatz beim Anbau. Recycelte Baumwolle, aus Verschnitt und gebrauchter Kleidung, reduziert Wasser- und Energieverbrauch bei der Produktion. Ein Kunde, der "nachhaltige Baumwolle" möchte, meint meist eines von beidem, nicht beides. Wir fragen, welches gemeint ist, bevor wir einen Preis nennen, denn beide kosten unterschiedlich und sagen unterschiedliches aus.
Die ehrliche Abwägung
Baumwolle knittert. Sie kann bei heißer Wäsche einlaufen, wenn sie nicht vorbehandelt wurde. Der Anbau braucht viel Wasser, das ändert auch ein Bio-Siegel nicht, es ändert nur, wie viel Pestizid dabei war. Das sagen wir vor der Bestellung, nicht nach der ersten Reklamation.
Unser Teil der Arbeit
Gewicht, Webart, Ausrüstung, Druckverfahren, die Frage Bio oder recycelt. Das ist unser Teil des Geschäfts. Und die Frage dahinter: nicht ob ein Produkt aus Baumwolle ist, sondern ob jemand die Baumwolle für das spezifiziert hat, was sie tatsächlich leisten muss.
