Kunstleder: Die Optik ohne das Tier

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Was die meisten falsch einschätzen

Die meisten denken, das Schwierige an Kunstleder sei die Optik. Das stimmt nicht. Eine Polyurethan-Beschichtung auf einer Basis aus Polyester oder Baumwolle lässt sich prägen, texturieren und so veredeln, dass sie auf den ersten Blick wie echtes Leder wirkt. Oft auch beim Anfassen. Schwierig wird es später: an den Kanten, an der Knickstelle, nach sechs Monaten täglichem Gebrauch. Dann zeigt sich, ob die Beschichtung hält oder sich löst.

Was wir eigentlich entscheiden

Wenn ein Kunde ein Notizbuch oder eine Kartenhülle in Lederoptik bestellt, denkt er, er wählt ein Aussehen. Wir wählen eine Schichtdicke, ein Basisgewebe und eine Oberfläche. Diese drei Faktoren entscheiden, wie das Produkt altert. Wir verlassen uns nicht auf das Datenblatt des Lieferanten. Wir fragen die Anzahl der Schichten ab, prüfen die Prägung unter der Lupe und machen einen Falttest am Muster, bevor es in die Nähe eines Kundenlogos kommt.

Das meiste, was wir so testen, schicken wir zurück. Diesen Teil der Beschaffung zeigt keine Broschüre.

Wie das Material entsteht

Das Basisgewebe gibt dem Material seine Struktur. Die Polyurethanschicht darüber macht die Oberfläche: die Narbung, die Haptik, den Glanz oder die matte Wirkung. Bessere Varianten nutzen mehrere dünne Schichten nacheinander und eine feinere Prägeform. Günstigere Varianten nutzen eine dicke Schicht und eine gröbere Form. Am ersten Tag, auf einem Foto, sehen beide fast gleich aus.

Wo es seinen Platz verdient

Notizbücher, Mappen, Kartenhüllen, Schreibtischartikel und Taschenpaneele: Dort leistet Kunstleder seine beste Arbeit. Das sind Produkte, die man einmal fotografiert und überreicht, nicht Produkte, die man zehn Jahre trägt. Das Material nimmt auch Prägedruck und Lasergravur sauber an. Deshalb taucht es so oft bei Firmengeschenken auf: eine hochwertige Optik, eine saubere Kennzeichnung, ohne das ethische oder finanzielle Gewicht von echtem Leder.

Wofür es nicht geeignet ist: das Erinnerungsstück. Wenn ein Kunde etwas will, das eine Person in zehn Jahren noch besitzt, ist das nicht das richtige Material. Das sagen wir, bevor die Bestellung läuft, nicht danach.

Was sich nach dem ersten Jahr ändert

Echtes Leder altert zu einer Patina. Kunstleder altert nicht, es versagt: Es reißt, blättert ab, löst sich an Ecken und Falten, genau dort, wo Hände es tatsächlich berühren. Wie lange das dauert, hängt vollständig vom Aufbau ab. Eine gut gemachte, mehrschichtige Beschichtung auf einer soliden Basis hält Jahre regelmäßigen Gebrauchs aus. Eine dünne, einschichtige Variante zeigt erste Spuren am Rücken schon nach wenigen Monaten. Manches hält. Manches sieht nur so aus, bis es nicht mehr so ist.

Die Frage der Nachhaltigkeit

Kunstleder verzichtet auf das Tier. Es verzichtet nicht auf das Erdöl, aus dem es stammt. Polyurethan ist erdölbasiert und baut sich nicht ab. Wer es statt Leder wählt, tauscht ein Problem gegen ein anderes, statt es zu lösen. Wasserbasiertes PU und biobasierte Beschichtungen gibt es inzwischen, sie senken einen Teil dieser Belastung. Konventionelles Kunstleder ist deshalb nicht automatisch die saubere Wahl. Das sagen wir Kunden direkt, wenn sie es als die nachhaltige Option anfragen. Denn die Annahme, tierfrei bedeute verantwortungsvoll, ist genau die Annahme, die Marken später Probleme bereitet.

Unser Teil davon

Beschichtung, Basisgewebe, Kante, Oberfläche. Dort wird ein Kunstlederprodukt tatsächlich entschieden, lange bevor jemand das Logo sieht. Und die Frage darunter: Muss dieses Produkt fünf Jahre halten, oder muss es nur für die Saison richtig aussehen, in der es tatsächlich genutzt wird.